Projekt des Monats März 2010
Kombination von Informations- und Umwelttechnologie
Das Bechtle Systemhaus in Solingen ist beim Bezug des neuen Gebäudes im Businesspark Piepersberg mit der Einbindung der EDV in die Heizung und Klimatisierung des Gebäudes neue Wege gegangen.
Energieeffiziente Bürogebäude auch mit Kühlung oder Heizung über geothermische Anlagen und Wärmepumpe gibt es inzwischen viele. Das Abwärmepotenzials der Server wurde jedoch meist nicht berücksichtigt. Im Gegenteil, es sind durch Kälteanlagen für die EDV zusätzliche Energieverbraucher installiert worden.
Detailansicht
Übersicht der virtuellen Server und der Temperaturen
Schritt 1: Virtualisierung
Um den Energieverbrauch durch die EDV zu reduzieren, wurde die Anzahl der Server durch eine Virtualisierung drastisch reduziert. Server sind meist nur zu einem Bruchteil ausgelastet und benötigen zu unterschiedlichen Zeiten Rechenkapazität. Inzwischen können diese Server als einzelne, voneinander unabhängige virtuelle Maschinen auf einem realen Server mit einer speziellen Software laufen. Bei Bechtle wurden die Serveranzahl von über 70 auf fünf leistungsfähige Server gesenkt. Der Stromverbrauch für die Server wurde alleine so von ca. 100 - 150 Watt auf 23 Watt pro virtualisiertem Server reduziert. Im Jahr ergibt sich damit eine Einsparung von 60.000 kWh. Gleichzeitig reduziert sich der Energieverbrauch für die Kühlung.
Schritt 2: Effiziente Kühlung
Um den Kühlbedarf weiter zu minimieren wird in den Serverschränken eine Temperatur von 26°C eingehalten. Dieses Temperaturniveau wird in vielen großen Serverparks bereits als Standard festgelegt. Die Überschusswärme wird dann über zwei Sidecooler, die jeweils einen integrierten Luft/Wasser-Wärmetauscher beinhalteten, abgeführt. Die Temperatur im Wasserzulauf beträgt ca. 20°C und im Ablauf ca. 22°C. Über einen Wärmetauscher wird die Wärme dann über 15 Bohrungen mit je 100 Meter in den Erdboden eingebracht. Der Energieaufwand für die Pumpen beträgt nur ca. 50 % gegenüber einer freien Kühlung und nur ca. 17 % gegenüber eine Splitkühlung. Wichtig ist, das der Boden nicht übermäßig erwärmt wird, was aufgrund der Dimensionierung aber ausgeschlossen werden kann.
Die Energieeinsparung durch die effektive Kühlung mit dem Erdboden beträgt noch mal ca. 30.000 - 50.000 kWh und die Wärme im Boden sorgt für eine bessere Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe im Heizbetrieb.
Schritt 3: Effizientes Bürogebäude
Aber nicht nur bei der EDV wurde Energie gespart. Auch durch die überwiegend passive Kühlung des Gebäudes, die Wärmerückgewinnung bei der Lüftungsanlage der Seminarräume oder der flexiblen Arbeitsplatzbeleuchtung wurde auf Energieeffizienz geachtet. Insgesamt konnte durch die Planung ca. 83 % der Primärenergie gegenüber einem konventionellem Bürogebäude eingespart werden.
Weitere Informationen zu diesem Projekt erhalten Sie bei der EnergieAgentur.NRW, Dipl.-Ing. Jörg buschmann, Tel.: 0211 / 86642 - 288 oder
Buschmann@energieagentur.nrw.de